Glaubhaftigkeit

Aussagepsychologische Begutachtung in der Schweiz

 

Anlass für eine aussagepsychologische Begutachtung ist in den meisten Fällen die Frage, ob die Aussage einer Person, Opfer einer Straftat geworden zu sein, auf einem Erlebnis beruht oder nicht.

 

Wenn objektive Beweise fehlen und der Beschuldigte die Tat bestreitet, steht oft Aussage gegen Aussage. 

 

AUSSAGE GEGEN AUSSAGE


Als sachkundiger Rechtspsychologe kann ich mit meinem Fachwissen zur Sachaufklärung beitragen. 

 

Selbst, wenn die meisten Anlässe Sachverhalte aus dem Bereich des sexuellen Missbrauchs sind, ist die Glaubhaftigkeitsbegutachtung keinesfalls auf bestimmte Delikte oder Personengruppen beschränkt. So ist es zum Beispiel auch möglich, die Aussage, Opfer von häuslicher Gewalt geworden zu sein, zu analysieren.

 

 

Die Methode der Glaubhaftigkeitsbegutachtung

lässt sich auf alle Aussagen

über mutmaßlich Selbsterlebtes anwenden

(Fabian, Greuel & Stadler, 1996)

 

 

Oft sind Personen aussagepsychologisch zu begutachten, die sehr jung oder psychisch auffällig sind. Ausserdem kann bereits der Verdacht Anlass für eine Begutachtung geben, dass eine Person in der Wahrnehmung, im Denken oder in der Sprache relevante Defizite haben könnte, keine gerichtsverwertbare Aussage machen zu können.

 

Allein die Psychologie stellt dafür die relevanten Methoden und Modelle aus der Gedächtnispsychologie, Entwicklungspsychologie, Sozialpsychologie, Vernehmungstechnik, Suggestionsforschung etc. bereit. 

 

 

Bei der aussagepsychologischen Glaubhaftigkeitsbegutachtung

handelt es sich um eine originär einzelfallorientierte,

hypothesengeleitete und multimodale Begutachtungsmethodik

(Luise Greuel, 2009)
 

 

Im Zentrum steht die Frage, wie eine Aussage psychologisch am besten erklärt werden kann. Eine Reduzierung der Aussagepsychologie auf die Beantwortung der Frage nach wahr oder gelogen ist nicht nur ungeeignet, den komplexen Ablauf der Begutachtung zu beschreiben, sie ist auch falsch. Es geht nämlich nicht darum, wie ein Polizist herauszubekommen, ob und was passiert ist, sondern darum, ob das Gesagte und Erinnerte mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einem Erlebnis beruht. 

 

Es kursieren in Schweizer Psychologen- und Juristenkreisen Listen mit angeblich treffsicheren Realkennzeichen, die abgearbeitet erlauben würden, lügende Zeugen zu überführen. Das ist so falsch wie für das angebliche Opfer und den angeblichen Täter gefährlich beziehungsweise schädlich.

 

 

Der Gesamtprozess der aussagepsychologischen Begutachtung

besteht in der Generierung und Prüfung von Voraussetzungen

der Gegenhypothesen zur Wahrannahme

(Renate Volbert, 2009)

 

 

Bei der Analyse sind in der Regel sowohl die Aussagetüchtigkeit der aussagenden Person als auch die Aussagequalität, die Aussagevalidität (Aussagezuverlässigkeit) der Aussage selbst und die Aussageentstehung zu überprüfen.

 

 

Rechtspsychologische Diagnostik ist weit mehr

als eine Kodierung aus dem ICD-10

 

 

Rechtspsychologische Diagnostik ist mehr als das Stellen einer kodierten Diagnose einer psychischen Störung. Sie berücksichtigt über den psychischen Zustand hinaus ethische Aspekte und die Art und Weise des gesamten diagnostischen Prozesses. Die Qualität einer rechtspsychologischen Diagnostik bemisst sich daran, ob die ethischen Richtlinien eingehalten, die rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt und die fachlichen Qualitätsstandards befolgt werden. Unabdingbare Minimalstandards sind dabei Wissenschaftlichkeit, Transparenz und Nachvollziehbarkeit.  


Die überwiegende Anzahl der Aufträge zur Erstellung eines aussagepsychologischen Gutachtens kommt aus dem Bereich des Strafrechts. Auftraggeber sind vor allem Staatsanwaltschaften und Gerichte.

 

Parteiengutachten im Sinne von Gefälligkeitsgutachten erstelle ich nicht. Wohl aber sogenannte methodenkritische Stellungnahmen, bei denen die Qualität von bereits erstellten Gutachten überprüft werden kann.

nachvollziehbar

Die aussagepsychologische Begutachtung ist keine Blackbox. Das heisst, über das Untersuchungsdesign, die verwendeten Methoden und den Weg zur Beurteilung kläre ich auf. 

Das Gutachten muss auch von Nichtpsychologen verstanden werden. Das Ergebnis muss sich aus den Akten und den eigenen Befunden ableiten lassen. 

Wissenschaftlich

Die Aussagepsychologie hat wissenschaftlichen Paradigmen wie einem hypothesengeleiteten Vorgehen zu folgen.

 

Das bedeutet zum Beispiel, dass ich verschiedene Alternativen der Aussageentstehung prüfe, um nicht einseitig zu untersuchen, was ich ohnehin schon zu wissen glaube. 

ethisch

Als wissenschaftlicher Psychologe habe ich mich den berufsethischen Regeln der FSP und des BDP verpflichtet. 

 

Mein berufliches Handeln basiert auf den Erkenntnissen der Psychologie als wissenschaftlicher Disziplin.

 

Das heisst vor allem: Kein Hokuspokus, kein eminenzbasiertes Vorgehen, keine unnötige Belastung für die zu begutachtende Person, sondern transparente, nachvollziehbare und empathische Beurteilungen nach dem aktuellen Stand der Lehre, Wissenschaft und Rechtsprechung.